Gerade im Mittelstand zeigt sich: Die Verantwortlichen erkennen zwar die Bedeutung von Cybersicherheit, verfügen aber oft nicht über die personellen oder zeitlichen Ressourcen, um NIS-2 konsequent umzusetzen.
Drei Herausforderungen tauchen besonders häufig auf:
1. Begrenzte IT-Kapazitäten
Viele Unternehmen haben kleine IT-Teams, die primär den täglichen Betrieb sicherstellen müssen. Das Erarbeiten neuer Sicherheitsrichtlinien, Risikobewertungen und technischer Maßnahmen kommt im Alltag leicht zu kurz. Matthias Haßler, Geschäftsführer Ratisbona Compliance, bringt es auf den Punkt: „Viele mittelständische Unternehmen wollen NIS-2 sauber umsetzen – ihnen fehlt aber schlicht die Zeit, sich intensiv einzuarbeiten. Genau hier braucht es pragmatische, verständliche und ressourceneffiziente Lösungen.“
2. Unklarheit über die konkrete Betroffenheit
Besonders schwierig ist für Firmen die Frage, ob sie tatsächlich unter die NIS-2-Kategorien „wichtige“ oder „besonders wichtige“ Einrichtungen fallen. Branchenzuordnung, Schwellenwerte und neue Definitionen sorgen vielerorts für Unsicherheit. „Wir erleben häufig, dass Unternehmen sich unterschätzen oder überschätzen. Ein strukturierter Betroffenheits-Check ist daher der erste und wichtigste Schritt“, erklärt Erich Beer, Head of Legal bei Ratisbona Compliance.
3. Fehlende Dokumentation und gelebte Prozesse
Zwar verfügen viele Unternehmen über einzelne Sicherheitsmaßnahmen – aber nicht im Sinne eines nachvollziehbaren, dokumentierten ISMS. Risikobewertungen, Rollenmodelle, Meldeprozesse und Notfallpläne sind oft nicht formalisiert. „NIS-2 ist kein Bürokratiemonster“, sagt Christopher Frank, Head of NIS2-Technical-Team. „Aber es verlangt Stringenz. Und genau das können Unternehmen mit gezielter Unterstützung schnell und effizient erreichen.“
Fazit: Wer jetzt startet, ist klar im Vorteil
Mit dem Beschluss des NIS-2-Umsetzungsgesetzes wird Cybersicherheit in Deutschland verbindlicher, strukturierter und verpflichtender. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das jedoch nicht automatisch mehr Komplexität – sondern vor allem die Chance, ihr Sicherheitsniveau nachhaltig zu stärken.
